Stellungnahme des BUND Bad Waldsee zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Abfahrt B30 Nord“ im Zuge der Erstellung einer Rastanlage an der B30 im Gebiet „Wasserstall“

Die Rastanlage versiegelt und zerstört über 2 Hektar Grünland. Landwirtschaftliche Nutzung ist für die Umwelt besser als Versiegelung. Aktuell besteht in Bad Waldsee-Enzisreute, direkt an der B30, eine Rastmöglichkeit mit Tankstelle, Einkehr- und Einkaufsmöglichkeit, auch für den LKW-Verkehr. Bei Bedarf stehen für die weitere Entwicklung, zum Beispiel für die Errichtung von Stromtankstellen, an der B30 oder in unmittelbarer Nähe genügend bereits versiegelte Flächen zur Verfügung die vorrangig weiterentwickelt werden müssten bevor weiteres Grünland versiegelt wird. Für den Rasthof gibt es aktuell keinen Bedarf. Der damit verbundene Flächenverbrauch ist zumindest unverhältnismäßig. Es gibt derzeit im Einzugsbereich von einem Kilometer entlang der B30 bei Bad Waldsee fünf Tankstellen. Warum also 2 Hektar Grünland zusätzlich versiegeln?
Es sind 9 Müllstationen vorgesehen um die riesigen Müllmengen, mit denen man rechnet, aufnehmen zu können. Es liegt dem Bauantrag weder ein Müllvermeidungskonzept noch ein integriertes Nutzungskonzept für regenerative Energien wie Photovoltaik vor.
Das vorgeschlagene Konzept ist rückschrittlich und widerspricht den Leitlinien von Bad Waldsee, eine Klimaschutz-Stadt zu sein. Der digital vernetzte Verkehr der Zukunft mit intelligenten Parkleitsystemen  bedarf eines zukunftsweisenden, in der Projektbeschreibung nicht berücksichtigten Verkehrsinfrastrukturkonzepts für Bad Waldsee.
Bei Bedarf an Lastwagenparkplätzen könnten auch schon vorhandene Parkflächen, wie beispielsweise die an der Viehversteigerungshalle Bad Waldsee nachts reichlich vorhandenen, zeitweise einbezogen werden. 2,5km südlich der geplanten Rastanlage befindet sich ein Parkplatz B30 Bad Waldsee, wo auch LKW parken können. 9km südlich in Enzisreute können LKW Fahrer ebenfalls direkt an der B30 mit Einkaufs-  und Einkehrmöglichkeit parken. Im Bereich Bad Waldsees gibt es in Gaisbeuren und in Enzisreute Tankstellen direkt an der B30. Es gibt auch genügend Tankstellen mit Autowaschanlagen, zwei an der Zahl, im Umkreis von 1 km zur geplanten Rastanlage, stadteinwärts gelegen.
Bekanntermaßen gibt es in Bad Waldsee sehr viele Einkehrmöglichkeiten, vom Gasthof bis zur Schnellgaststätte. Ebenso Übernachtungsmöglichkeiten die aktuell noch weitere Kapazitäten aufnehmen können. Auch von daher besteht keine Notwendigkeit, weiteres Grünland zu versiegeln.
Auch direkt an der B30 gibt es 2 Gaststätten mit Übernachtungsmöglichkeiten.
Warum alteingesessene Familienbetriebe in ihrer Existenz durch so ein Großprojekt gefährden? Innenentwicklung sollte hier Vorrang vor Außenentwicklung haben.
Der BUND lehnt somit dieses Projekt ab.


Falls der Rasthof entgegen den fortschrittlichen Prinzipien einer klimafreundlichen Stadtentwicklung in Bad Waldsee und damit entgegen einer vorrangigen Nutzung bereits versiegelter Flächen zur Minimierung des Flächenverbrauchs doch gebaut wird, fordert der BUND folgende Bau- und Nutzungsbedingungen:


1.In nördlicher Richtung sind mehrere Meter Abstand zur Dammsohle geboten. Der Heckenbewuchs auf dem Damm und auf der Dammsohle ist zu bewahren und durch einen Zaun oder eine Hecke vor dem direkten Zutritt aus der Rastanlage zu schützen.


2. Es muss ein Müllvermeidungskonzept und nicht nur ein Müllsammelkonzept, wie im aktuellen Plan vorrangig vorgesehen, umgesetzt werden.


3. Dächer und überdachte Parkflächen sind für Photovoltaik zu nutzen, u.a. für die Versorgung von Stromtankstellen


4. Die Beleuchtung ist zu minimieren und insektenfreundlich auszuführen, insbesondere mit Rücksichtnahme auf das wertvolle Biotop in nördlicher Richtung.


5. Zum Fließgewässer in der südlichen Abgrenzung Richtung B30 muss genügend Abstand gehalten werden und es darf in das Fließgewässer kein verschmutztes Oberflächenwasser abfließen.


6. Es muss bei dieser Größenordnung des Vorhabens eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden.


7. Es muss ein artenschutzrechtliches Gutachten erstellt werden das die Auswirkung bezüglich Licht und Lärm, insbesondere auf das nördlich gelegene Biotop inklusive des Damms, untersucht. U.a. befinden sich in den Bäumen an dem direkt angrenzenden Damm Höhlen die u.a. auch ein Vorkommen von Fledermäusen vermuten lassen.


Für den BUND Bad Waldsee
Roland Umbrecht